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Es kreucht und fleucht im Unterried!

Im Februar und März 2024 pflegte der Verein naturzizers unter der Leitung von Michael Monsch und unter Mithilfe von Jägerkandidat*innen die Lebensräume im Unterried. Dies ist notwendig, damit dieses Gebiet seine Funktion als Feuchtgebiet und Trockenstandort mit halboffener Vegetation erfüllen kann. Sonst würde es schnell verlanden, verbuschen und in kurzer Zeit zu Wald werden. Tausende Bienen an den warmen Märztagen zeigten, dass sich Lebensraumschutz zugunsten bedrohter Arten lohnt und dass davon nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Artengemeinschaften profitieren.

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Eine spezielle Pflege benötigen die Trockenstandorte an der westlichen Rampe des Gebietes. Hier werden mit der Biotophege Rohboden und vegetationsarme Flächen erhalten sowie Gehölze und invasive Neophyten reguliert.

Die blühenden Weiden und die frühmorgens besonnte vegetationsarme Rampe sind optimale Lebensräume für viele seltene Bienen, Wespen, Ameisen, Käfer und Spinnen. Diese wiederum sind die Lebensgrundlage für insektenfressende Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.

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Die Pflegearbeiten beim Trockenstandort wurden von der Natur belohnt und zeigten deren praktischen Nutzen. Schon ab dem 20. März 2024 flogen tausende Grosse Weiden-Sandbienen und dutzende Weiden-Seidenbienen, gruben Nisthöhlen, tanzten und kopulierten.

Foto: Christine Kull

Stil-Leben im Unterried: sehr aktive Grosse Weiden-Sandbienen

Bilder links und mitte: Der Boden ist übersät von Eingängen zu den unterirdischen Nisthöhlen

Bild rechts: Seidenbiene (links) und Sandbiene im Vergleich

Die Sand- und Seidenbienen gruben an den sandigen Stellen grossartige Höhlensysteme mit vielen unterirdischen Stockwerken, bis in eine Tiefe von 50 cm. Dann trugen sie Nektar und Weidenpollen in die unterirdischen Gänge und legten dort wohl ihre Eier ab. So haben diese Schlüsselarten eine grosse Infrastruktur gebaut, die dann von vielen weiteren Arten mitbenutzt wird, teilweise unter Anwendung von genialen Tricks.

Die Rothaarige Wespenbiene parasitiert die Sandbienen, indem sie kurz nach deren Eiablage ihre Eier in deren Nester legt. Nach dem Schlüpfen bedienen sich die Larven der Wespenbiene an den Eiern, Larven und Nektarvorräten der Sandbienen. Deshalb werden sie auch Kuckucksbienen genannt.

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Die Nester der Weiden-Seidenbiene werden von der Grossen Blutbiene parasitiert, indem sie ihre Eier hinein schmuggeln.

Die Weibchen des Grossen Wollschwebers tarnen ihre Eier mit Staub der sandigen Stellen vor Ort und deponieren diese, sozusagen «paniert» vor den Höhleneingängen der Sandbienen. Die schlüpfenden Larven suchen dann die Nester auf und parasitieren diese.

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Foto: Christine Kull

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Die grösste Abhängigkeit von den Sandbienen hat der flugunfähige Schwarzblaue Ölkäfer ausgebildet. Er lebt in Wiesen mit offenen, sandigen Stellen und ernährt sich von Pflanzen.

Bild: Bei der Bodenbearbeitung anfangs März wurde ein fertig entwickelter Käfer in Winterstarre gefunden.

Das Weibchen legt über 10'000 Eier. Die daraus schlüpfenden «Dreiklauenlarven» sehen so speziell aus, dass sie noch vor 200 Jahren für eine eigene Insektengattung gehalten wurden. Sie klettern auf Blüten oder bilden an der Spitze von Gräsern blütenähnliche Ansammlungen. Dort warten sie auf Sandbienen, klammern sich an deren Pelz fest und lassen sich in deren Nester tragen. Dort leben sie von den Bienenlarven und den eingetragenen Vorräten und machen mehrere Larvenstadien durch. Ölkäfer können sich also nur dank den Bienen ausbreiten. Bei Gefahr sondern die Ölkäfer aus ihren Kniegelenken ein gelbes Wehrsekret ab, das den Giftstoff Cantharidin enthält.

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Eine sehr schöne Erfolgsgeschichte vor unserer Haustüre!

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